Was ist der Unterschied zwischen Bachelorarbeit und Masterarbeit?

Kaum hat man die erste Hälfte des Masterstudiums hinter sich, muss man sich Gedanken machen, wie man mit der Planung der Masterarbeit beginnt. Die erste wissenschaftliche Arbeit, die Bachelorarbeit, liegt etwas mehr als ein Jahr zurück, schon steht die nächste vor der Tür … und diese ist zeit- und arbeitsaufwendiger. Die Masterarbeit soll natürlich länger, anspruchsvoller und umfangreicher sein, und zählt in der Gesamtbewertung des Studiums mehr. Vielleicht hat man dann noch von Studienkollegen gehört, dass Themen- und Methodenwahl sowie Formulierung recht anspruchsvoll sind und man sich rechtzeitig eine geeignete Betreuung suchen muss.

Und überhaupt: Was bedeutet „anspruchsvoller“, welchen Kriterien muss die Thesis genügen, wie umfangreich muss der eigene Forschungsbeitrag sein? Diese und weitere Fragen zu formalen und inhaltlichen Unterschieden zwischen Bachelor- und Master-Abschlussarbeit werden hier beantwortet.

Formale Unterschiede

Über Umfang, Bearbeitungszeit, Abgabetermin, Wahl des Betreuers und Bewertung (CP) sollte man sich unbedingt rechtzeitig informieren – dazu schaut man am besten in die Prüfungsordnung der jeweiligen Hochschule oder Universität.

Während bei einer Bachelorarbeit – abhängig vom jeweiligen Studiengang – meistens 30 bis 40 Seiten reichen sollten, kann sich eine Masterarbeit auf 80 bis 120 Seiten belaufen. Sie wird statt 6 bis 8 Wochen (höchstens 3 Monate) mindestens die doppelte Zeit, sechs Monate, eigentlich ein ganzes Semester, das letzte der vier im üblichen zweijährigen Masterstudium, in Anspruch nehmen. Die 6-12 CP für die Bachelorarbeit machen in der Gesamtbewertung des Bachelorstudiums (meistens 180 CP) einen wesentlich geringeren Teil (3,3 bis 6,6 %) aus als die 15-30 CP für die Masterarbeit in der Gesamtbewertung (120 CP) des Masterstudiums (12,5 bis 25 %). (Diese Angaben aus einem Kultusministerratsbeschluss dienen der Orientierung, unbedingt die Vorgaben der aktuellen Studienordnung beachten!).

Auch bei der Wahl des Betreuers gibt es bei der Masterarbeit strengere Kriterien. Bei der Bachelorarbeit muss es kein „echter Professor“ sein, auch ein anderer prüfungsberechtigter Hochschullehrer, ein externer Lehrbeauftragter, kann sie betreuen. Der Betreuer einer Masterarbeit muss dagegen Professor oder Privatdozent sein. Man muss sich also rechtzeitig um die Themenwahl und eine geeignete Betreuung kümmern.

Die Masterarbeit hat also einen größeren Umfang, benötigt mehr Zeit, wird mit mehr Credit Points bewertet und benötigt daher mehr Sorgfalt – auch in der inhaltlichen Planung.

Inhaltliche Unterschiede

Wenn es darum geht, sich über die inhaltlichen Merkmale des „Projektes Masterarbeit“ Gedanken zu machen, ist auch den an wissenschaftliches Arbeiten weniger gewöhnten Studenten der technischen Fakultäten klar: Jetzt geht es nicht nur darum, relevantes Wissen durch Bearbeitung von Literatur – an/zu einem Thema angewandt – selbstständig reproduzieren zu können. Eine Masterarbeit muss – wie auch die Bachelorarbeit – „nach wissenschaftlichen Methoden“ erstellt werden. Aber anspruchsvollere, tiefergehende wissenschaftliche Herangehensweise, selbstständige Forschung sind nötig, um einen ernstzunehmenden wissenschaftlichen Beitrag zu leisten.

„Nach wissenschaftlichen Methoden“

Diese drei Wörter stehen sowohl für die Bachelorarbeit als auch für die Masterarbeit in den Kultusministerkonferenz-Beschlüssen. Beide Arbeiten müssen die formalen Kriterien von wissenschaftlichen Texten erfüllen (Literaturbearbeitung, Zitieren usw.). Auch für die Bachelorarbeit müssen die Studenten die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens des eigenen Fachbereichs kennen. Aber bei der Bachelorarbeit dienen die wissenschaftliche Arbeit, die Literaturrecherche, die Anwendung wissenschaftlicher Methoden dazu, themenrelevantes Fachwissen zu reproduzieren und die gewonnenen Erkenntnisse anwendungsbetont interpretieren zu können.

Was alles macht aber bei der Masterarbeit die „anspruchsvollere Wisssenschaftlichkeit“ aus?

Masterarbeit

Themenfindung: Das Niveau der Lehrveranstaltungen im Masterstudium, die Möglichkeiten zur Spezialisierung, die Fokussierung auf individuelle Interessen, die Behandlung neuer Forschungsergebnisse in Vorlesungen und Seminararbeiten können dazu führen, dass man für seine Masterarbeit ein Vertiefungsgebiet wählen kann. Dieses sollte eine Neuartigkeit aufweisen (Forschungslücke, neue Problemstellung, Sammlung von Daten in einem unerschlossenem Bereich, neue Auswertung vorhandener Daten nach einem neuen Konzept, ein anspruchsvoller oder erhellender Vergleich für einen konkreten Problemfall usw.), seine Bearbeitung durch die gewählte Methodik, mit einem eigenen Forschungsbeitrag neue Antworten/Erkenntnisse versprechen.
Literarturrecherche: Eine strukturierte Recherche ist – wie für eine Bachelorarbeit – auch für eine Masterarbeit fundamental. Die breiter angelegte Literaturbasis sollte anhand der Literaturlisten von neueren Publikationen aktualisiert werden, damit die eigene Arbeit an aktuelle Fachergebnisse anschließen kann. Nicht nur die übliche Sekundärliteratur soll herangezogen, die grundlegenden Theorien des Fachbereichs dargelegt werden, um die eigene Fragestellung in einen wissenschaftlichen Kontext einzubinden. Auch in wissenschaftlichen Datenbanken soll recherchiert werden, um aktuelle (evtl. auch internationale) Studien zum Thema zu finden. Bei einer Masterarbeit ist unbedingt notwendig, wissenschaftliches „Rohmaterial“ zu bearbeiten, Primärquellen zu erschließen oder eigene Untersuchungen durchzuführen.
Methodik: Für eine anspruchsvolle Forschung – egal, ob es um eine neuartige Datenerhebung oder eine eigene Untersuchung geht – muss ein umfangreiches, detailliertes Forschungskonzept erstellt werden. Die Fragestellung soll in Einzelfragen zerlegt, ihre verlässliche, überprüfbare Beantwortung in bestimmten systematischen Untersuchungsschritten geplant werden. Bei einer Masterarbeit soll der Kandidat nachweisen, dass er präzise mit den wissenschaftlichen Methoden seines Fachs umgehen kann und ein Problem aus dem Fach mit Hilfe diverser wissenschaftlicher Forschungsmethoden bearbeiten und dadurch zu neuen Erkenntnissen gelangen kann.

Die wesentlichen Merkmale einer Masterarbeit im Vergleich zu einer Bachelorarbeit sind also die eigene Idee, die eigene Forschung, der Einsatz fundierter Forschungsmethoden und die neuen Erkenntnisse, zu denen man dadurch gelangen soll.