Körpersprache im Bewerbungsgespräch – was die Hände alles erzählen

Man sagt zwar, die Augen sind der Spiegel der Seele, doch unsere Hände verraten auch ziemlich viel über uns. Nicht nur ihr Aussehen, auch unsere Gesten mit ihnen, wie wir sie halten, wie viel wir von ihnen zeigen – das alles sagt viel darüber aus, wie wir zu einer Situation stehen, in der wir auf eine bestimmte Art und Weise mit unseren Händen agieren.

… Wissenswertes über ein paar wichtige Gesten und „Aussagen“ der Hände:

1.  Hände schütteln
- Warum machen wir das?
Ob die junge Generation noch weiß, woher die Geste kommt (dadurch kann man zeigen, dass man keine Waffe in den Händen versteckt, d. h. keine feindlichen Absichten hat), oder wer zuerst die Hand reichen soll (der Ältere, die Frau, der Gastgeber, der Ranghöhere usw.)? Wie man seinem Gegenüber die Hände schüttelt, spielt auch heutzutage noch eine wichtige Rolle – zum Beispiel beim Bewerbungsgespräch. Man könnte denken, ein schneller Händedruck am Anfang des Gespräches sei eine Selbstverständlichkeit. Aber es kommt noch – mehr als man denken würde – vor, dass der Bewerber die ihm zugereichte Hand übersieht oder nur seine Finger hinreicht – und es nicht oder nur zögerlich zu einem Händedruck kommen kann. Das sagt schon einiges über diesen Bewerber aus, so viel auf jeden Fall, dass er nicht unbedingt sehr überzeugt von seiner Eignung für diese Position oder der Ernsthaftigkeit seiner Absichten ist.


Wie fühlt sich ein richtiger Händedruck an?

Die Grundregeln sind: Fest, aber nicht zu stark, auf keinen Fall zu schlapp, nicht sehr lange aber auch nicht flüchtig oder halbherzig und den anderen dabei freundlich anblicken.

Die Hände sollten senkrecht sein und auf halber Höhe begegnen, die Handflächen sollten sich berühren, dann ein leichter Druck, nicht zu stark und nicht zu lange, eventuell zwei- bis dreimal schütteln. Bei der Vorstellung den Namen sagen und dem anderen freundlich in die Augen schauen. Letzteres bitte nicht vergessen, nicht nach unten auf die Hände schauen, das zeigt Schüchternheit und Durchsetzungsschwäche, beides ist bei einem Bewerbungsgespräch nicht praktisch. Es ist auch falsch, wenn wir übertreiben. Die Handfläche nach unten gerichtet die Hand reichen oder beim Handschlag die Hand des anderen nach unten drücken, damit seine Hand mit der Handfläche nach oben unter unserer Hand liegt, drückt einen außerordentlich überentwickelten Dominanzanspruch aus. Wir sollten auf keinen Fall so auftreten. Wenn uns jemand mit dieser Geste begegnet, sollten wir ruhig beide Hände in eine senkrechte Position zurückziehen. Notfalls können wir dafür unsere linke Hand auf den Handrücken des anderen legen und so signalisieren: ohne weiteres geben wir seinem Dominanzanspruch nicht nach.

2.  Arme verschränken
-  Die Geste steht sprichwörtlich für Ablehnung oder drückt aus, dass man sich schließen, aus der Situation zurückziehen, „stehlen“ möchte.
Die Geste war eigentlich ein Verteidigungsreflex. Wenn die Arme fest verschränkt vor dem Körper liegen, die Hände kaum zu sehen, die Schultern steif nach oben gezogen und sogar die Füße verschränkt sind, zeigen wir alle Merkmale dieser Verteidigungsposition, wir erklären die Interviewer zum Feind. Wir signalisieren ihnen, dass wir nicht „rezeptiv“ sind, und sie werden sich auch keine Mühe geben, uns zu „öffnen“. Wenn wir es nicht so arg betreiben und nur unsere Hände lose verschränkt in unseren Schoß liegen, dabei beide Handrücken zu sehen sind, die Schultern locker hängen und unser Blick nachdenklich ist, können unsere Gesten als Aufmerksamkeit gedeutet werden. Trotzdem sollten wir auch diese milde verschränkten Varianten vermeiden, sie zeigen noch immer Passivität, sie ist auch nicht praktisch in einem Bewerbungsgespräch. Legen wir unsere Hände lieber ruhig auf die Armlehne oder auf den Tisch.

3.  Fingerspitzen berühren sich
-  Eine kontroverse Geste – aber besser als ihr Ruf
Wenn wir die Finger leicht voneinander spreizen und die linken und rechten Fingerspitzen alle einander berühren, dabei die Daumen und die Zeigefinger eine Raute bilden und die unteren Finger nicht (!) auf unseren Gesprächspartner, sondern leicht nach unten zeigen, haben wir schon diese oft diskutierte Geste.
In der Literatur wird sie bei Tolkien als magisches Zeichen beschrieben, in den Zeichentrickfilmen charakterisiert sie besonders böse Figuren. Psychologen und Körpersprachenforscher sehen das überhaupt nicht so streng. Sie soll Ruhe und Selbstvertrauen ausstrahlen. Sie soll helfen, zur Besonnenheit zu kommen, „den Energiekreislauf“ zu schließen, Symmetrie zu finden und auszustrahlen. Angela Merkel, nach der sie als Merkel-Raute benannt wurde, meint sogar, sie hilft, den Rücken gerade und entspannt zu halten.
Die Geste wird in Präsentationstrainings oft als hilfreiche Technik angepriesen und daher auch von Rednern angewendet, denen sie überhaupt nicht steht. Man sollte sie ausprobieren, üben und wenn wir uns dabei nicht wohl fühlen, uns die Geste fremd, „übertrieben“ vorkommt, dann sollten wir sie lassen. Wenn ein Redner nur mit dieser Geste Kompetenz und Dominanz ausstrahlen möchte, seine ganze Körpersprache aber eine ganz andere Sprache spricht, andere Zeichen sendet, entsteht eine Dissonanz. Diese Geste sollten wir also nur dann zeigen, wenn wir das Gefühlt haben, sie passt zu uns.
Eine „abgeschwächte“ Variante ist, wenn wir die Hände leicht falten, die rechten und linken Finger miteinander verschränken, aber nur bis zum dritten oder zweiten, also mittleren Fingerknochen (Vorsicht: Wenn wir die Hände ganz, also bis zum ersten Fingerknochen falten, drücken wir Verschlossenheit aus). Wenn wir unsere Hände mit dieser leichten Geste auf den Tisch legen, oder wenn wir ohne Tisch mit aufeinander gelegten Beinen auf einem Stuhl sitzen, sie auf die obenliegenden Oberschenkel legen, den Oberkörper leicht zu unserem Partner drehen, können wir eine verhältnismäßig bequeme Position einnehmen. In dieser Position fühlen wir uns ungeniert und können Ruhe, Kompetenz und Selbstvertrauen ausstrahlen.

4.  Hände auf den Tisch
-  Wenn wir schon beim „Hände halten“ sind, kommen ein paar Tipps, wann wo sie liegen sollten.
Meistens verlaufen die Bewerbungsgespräche so, dass der Bewerber an einem Tisch sitzt. Die Hände sollten auf jeden Fall (zum Beispiel wie unter Punkt 4 beschrieben) auf dem Tisch liegen und auf keinen Fall hinter dem Tisch in unserem Schoss, unsichtbar für die Interviewer. Wenn die Hände, besonders die beiden Handrücken, nicht zu sehen sind, scheinen wir unglaubwürdig, wenn nicht gerade verdächtig (siehe Punkt 2). Sogar vor dem Gericht achten die Richter bei den Zeugen auf diese Geste. Also: Hände auf die Armlehne oder sogar auf den Tisch, auch wenn wir uns dazu ein wenig nach vorne beugen müssen. Das strahlt zusätzlich Interesse aus.

5.  An den eigenen Hals fassen – Lassen wir die Finger davon.
-  Was wir dadurch von uns verraten, ist nicht besonders schlimm, trotzdem sollten wir das vermeiden. 
Unsere Hände fahren an den eigenen Hals, wenn wir von einer Frage in starke Verlegenheit gebracht werden. Wir fühlen uns geniert, verunsichert, sogar so sehr ausgeliefert, als ob uns der Boden unter den Füßen weggezogen würde. Instinktiv greifen wir uns an den Hals, um unsere lebenswichtige Halsschlagader zu schützen. Dadurch zeigen wir uns in der Situation ratlos, machtlos. Und das sollten wir in einem Bewerbungsgespräch auch vermeiden.

6.  An das Schlüsselbein fassen – Das dürfen wir ruhig.
-  Diese unwillkürliche Geste zeugt von tiefer Betroffenheit – dies dürfen wir ruhig zeigen.
Nur wenn wir etwas wirklich ehrlich meinen, aus tiefster Überzeugung sagen, über etwas sprechen, was uns wirklich naheliegt, fahren unsere Finger an das Schlüsselbein, an die kleine Mulde daran. Das ist bloß eine instinktive, offene Geste, hat nichts mit Angst oder Gegenwehr zu tun. Wir dürfen das also ruhig tun, es kann nicht negativ gewertet werden.

Diese vielen ausführlichen Informationen stehen nicht dafür hier, die Bewerber vor einem Gespräch noch mehr zu stressen, unter zusätzlichen Druck zu stellen. Aber es lohnt sich, zurückliegende Gespräche auch unter diesen Aspekten zu analysieren und als Vorbereitung auf die nächsten an der einen oder anderen Geste etwas zu ändern, eventuell eine neue Haltung einzuüben. Wir können so einfach etwas mehr dafür tun, dass unsere Körpersprache und das Gesagte in einem Bewerbungsgespräch mehr im Einklang bleiben. Dadurch werden wir einfach überzeugender wirken.