Körpersprache im Bewerbungsgespräch

Forschungen haben bewiesen, dass Äußerlichkeiten und Kleinigkeiten wie Aussehen, Körpersprache oder Intonation – entgegen anderslautender Meinungen – sehr wohl eine große Rolle bei der Beurteilung der Bewerber spielen können. Auf einschlägigen Internetseiten kann man immer wieder Expertenmeinungen lesen, die besagen, dass die wahren HR-Profis sowieso nach harten Fakten entscheiden, wie Ausbildung, Arbeitserfahrung und Eignung für die ausgeschriebene Stelle usw. Recruiter hätten einen Blick dafür, sie würden sich von attraktiv gestalteten CVs und einstudierten Gesten oder mühsam beherrschter Körperhaltung nicht täuschen lassen.


Forschungsergebnisse zeugen jedoch davon, ...

… dass sich diese wahren Profis sehr wohl „täuschen lassen“.

- Wenn sie denselben CV mit einem männlichen oder einem weiblichem Namen vorgelegt bekommen, bilden sie sich vom männlichen Bewerber eine bessere Meinung und bieten ihm ein Jahresgehalt an, das mehrere Tausend Dollar über dem „weiblichen Gehalt“ für denselben CV liegt.

- Die meisten von ihnen, 70 % der Recruiter, geben sogar zu, dass sie sich bei zwei ähnlich qualifizierten Bewerbern nach Aussehen und Bekleidung entscheiden würden.

- Blonde Frauen verdienen 7 % mehr als solche mit anderen Haarfarben – diese Tatsache spricht für sich.

- Männer mit einer Körpergröße über 185 cm verdienen 10 % mehr als Männer, die nicht so „hoch gewachsen“ sind.

Äußerlichkeiten scheinen also doch wichtig zu sein. Bei einem Bewerbungsgespräch sollen wir uns darüber im Klaren sein, was für ein Bild wir durch Körperhaltung, Gesten, Intonation etc. vermitteln. Unser Körper „verrät“ uns, unsere Kommunikation verläuft größtenteils nonverbal. Unsere Mimik, Tonhöhe, Körperhaltung zeigen unsere wahren Gedanken und Gefühle und „widersprechen“ unseren Worten, wenn diese nicht „deckungsgleich“ sind. Die unbewussten Körpersignale haben nicht nur entscheidenden Einfluss auf die Wirkung auf unseren Gesprächspartner, sondern beeinflussen auch die Rezeption unserer Worte.


Hat es dann überhaupt noch einen Sinn, …

… darüber nachzudenken, was man mit der Körpersprache ausdrücken möchte, wenn man sie sowieso nicht bewusst verändern kann?

Lügen kann man mit einstudierter Körperhaltung, Mimik oder Stimmführung nicht. Aber man kann lernen, bewusst damit umzugehen, damit sie unsere Worte unterstützen und nicht „demontieren“.


Fünf Dinge, auf die wir bei der Körpersprache im Bewerbungsgespräch achten sollten:

1. Achte auf deine Stimme
Sie ist wie ein Fingerabdruck und verrät viel über uns. Aber sie ist nicht angeboren oder unveränderbar. Wir können an unserer Sprechweise (Aussprache, Tempo, Tonhöhe usw.) arbeiten. Nehmen wir zum Beispiel die Tonhöhe: Mit einem gezielt gewählten Tonhöhenverlauf können wir unseren Worten Nachdruck verleihen. Aber durch eine falsch gewählte Tonhöhe, zum Beispiel das Verwechseln von Aussagesatz- und Fragesatz-Intonation, werden wir – unabhängig vom ggf. sogar passenden Inhalt unserer Worte – Unsicherheit und mangelnde Dynamik ausstrahlen.

2.  Nimm Raum ein
Selbstsicherheit kann man dadurch signalisieren, wie man Platz nimmt: nämlich, wenn man viel Platz einnimmt. Das mag zunächst sonderbar klingen, aber denken wir besonders an manche Männer, die sich mit breiten Gesten hinsetzen: Gleich beim Hinsetzen lehnen sie sich nach hinten, legen ihren Unterarm auf die Armlehne, strecken ein Bein aus oder verschränken die Beine. Im äußersten Fall legen sie den Knöchel auf das andere Knie – der Gesprächspartner hat Blickkontakt mit der Schuhsohle – und verschränken die Arme hinter dem Kopf. Letzteres gilt in europäischen und östlichen Kulturen als fremd und unhöflich, amerikanische Spione sollen im Zweiten Weltkrieg durch diese „breiten Gesten“ aufgeflogen sein. Vielleicht nicht ganz so breit – aber wir sollten beim Bewerbungsgespräch so viel Platz einnehmen, wie unserem Körper zusteht, um Selbstsicherheit zu zeigen: bequem sitzen und nicht auf der Vorderkante der Sitzfläche balancieren, vielleicht den Unterarm auf die Armlehne legen und in aufrechter Haltung nach vorne blicken.

3.  Bitte lächeln
Natürlich muss man lächeln, das macht uns menschlich und sympathisch. Bewerber, die nicht lächeln, sondern verbissen starren, machen keinen guten Eindruck. Aber wir – besonders die Frauen – lächeln besonders viel oder unbegründet lange aus Verlegenheit, und das weiß auch das Unterbewusstsein des Recruiters. Also: Ruhig lächeln, um sympathisch zu wirken, und nicht, um Verlegenheit zu verdecken.

4.  Achte auf eine offene Körperhaltung
Man sollte in aufrechter Haltung, mit hängenden, leicht zurückgenommenen Schultern sitzen, Kopf aufrecht, Kinn leicht nach oben. Unsere Gesten und Bewegungen sollten richtig ausgeführt, nicht zurückgenommen sein, unser Oberkörper bleibt beweglich, wir können uns zu unseren Gesprächspartnern hinwenden. Unsere Hände dürfen wir auf keinen Fall vor unserem Körper – oder um diesen – verschränken. Es geht dabei nicht nur darum, Offenheit, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen zu signalisieren. Die Lage ist komplexer. Wissenschaftliche Untersuchungen (diesmal waren es Forscher von der Harvard Business School) haben ergeben, dass diese Haltung nicht nur einen guten Eindruck macht, sondern der Zusammenhang zwischen Haltung und Wirkung auch „rückwärts“ funktioniert: Wenn wir eine oben beschriebene Haltung einnehmen, wirken wir nicht nur dominant, sondern unser Hormonhaushalt reagiert auf eine Weise, die uns einen dominanten Auftritt ermöglicht. Bei nicht-dominanten Haltungen dagegen steigt der Stresshormonspiegel, wir können nicht mehr selbstbewusst, dominant auftreten.

5.  Halte Blickkontakt(e)
Es klingt banal, dass wir unserem Gegenüber in die Augen schauen sollten. Bei einem Bewerbungsgespräch sehen wir überwiegend den Interviewer an, er stellt die Fragen, an ihn richten wir unsere Antworten. Wir sollten aber ab und zu auch die anderen anschauen, sie in das Gespräch einbeziehen und ihnen das Gefühl vermitteln, dass auch ihre Meinung zählt. Die Aufmerksamkeit, die wir ihnen dadurch schenken, hinterlässt angenehme Gefühle, sie werden sich an uns als sympathischen Menschen erinnern. Aktiver Blickkontakt zeichnet gute Führungskräfte aus, so zeigt man eine wichtige Kompetenz, um die es in Bewerbungsgesprächen geht.


Mit der Körpersprache umgehen lernen heißt also nicht, dass wir uns verstellen oder sogar lügen sollten. Wir können aber „die Einheit von Körper, Stimme und Wort“ und dadurch eine erfolgreiche und glückliche Kommunikation anstreben.