Die Relevanz der wohl durchdachten und gut formulierten Leitfrage

Wie unterstützt die richtige Leitfrage deine Thesis?

Es gibt viele gute Gründe, weshalb eine sorgfältig ausgewählte Leitfrage die Basis einer gelungenen Thesis ist – daher ist deren Formulierung der erste Schritt in der Planung einer wissenschaftlichen Arbeit.

Eine gute Leitfrage …

- hilft bei der Identifikation der wichtigsten Ziele der Thesis
- hilft bei der Fokussierung und Eingrenzung des Themas
- liefert ein Framework zur Strukturierung der Thesis

Hieraus ergibt sich, dass es wichtig ist, eine Leitfrage zu wählen, die sowohl spezifisch ist als auch den Rahmen für das vorliegende Thema setzt – dies gibt sowohl dem Autor als auch dem Leser eine gute Orientierung.

Nun gibt es verschiedene Arten von Leitfragen, die jeweils die Art der Thesis bestimmen.

Fokus auf ein bestimmtes Problem:

Hierunter werden jene Leitfragen verstanden, die einen wissenschaftlichen Mehrwert liefern, indem sie ein vorhandenes/bekanntes Problem lösen bzw. einen (Teil-)Vorschlag zu dessen Lösung erbringen. Außerdem kann im Rahmen eines solchen Problemfokus auf bisherige Lösungsvorschläge eingegangen werden – selbstverständlich ist es möglich, je nach Umfang der Thesis, diese beiden Ansätze miteinander zu kombinieren.

Hier muss darauf geachtet werden, dass man im Rahmen der Arbeit darstellt, worin das Problem besteht und wie es entsteht – denn die Darstellung der Relevanz der Leitfrage (zum Beispiel, da Problem X Z als nicht wünschenswerte Auswirkung hat) ist Teil einer gelungenen Thesis.


Vergleichende Fragestellungen:

Hierunter werden jene Ansätze verstanden, die bestimmte Mechanismen, Strukturen oder Modelle hinsichtlich Qualität, Relevanz und Aussagekraft etc. einordnen und bewerten. Dies geschieht in der Regel im Rahmen der Darstellung von Vor- und Nachteilen des zu Untersuchenden bzw. bestimmter, zugrunde liegender, Aspekte – oder deren Auswirkungen.

Ebenso muss im Rahmen der zu erstellenden Thesis darauf geachtet werden, unter welchen Ursprungsbedingungen – zum Beispiel mit welcher Motivation – die entsprechenden Mechanismen, Strukturen oder Modelle zustande kommen.

Typische Fehler bei der Formulierung einer Leitfrage:

Themenumfang zu groß
Ist die Leitfrage nicht spezifisch genug, kann man in einem begrenzten quantitativen Rahmen nicht in die Tiefe gehen – sondern „expandiert“ in die Breite. Der klare Nachteil daran ist, dass man dadurch notwendigerweise oberflächlich bleibt und nur selten einen informativen Mehrwert schaffen kann. Zweitens spricht man zu viele Themen an, die man jedoch individuell nicht hinreichend beleuchten kann, bleibt also hinter dem eigenen Anspruch der umfassenden Darstellung zurück. Drittens wird als Folgeerscheinung das „eigentliche Thema“ nicht klar, wenn die Leitfrage nicht hinreichend spezifisch ist.

Im Umkehrschluss ist eine spezifische Fragestellung sowohl für Autor als auch den Lesenden besser: Es ist für den Lesenden einfacher, wenn er von Anfang an durch einen gut strukturierten Denk- und Argumentationsprozess „geführt“ wird. Für den Autor wiederum ist eine eng eingegrenzte Leitfrage schlichtweg leichter zu beantworten als eine, die zu viele Themen auf einmal involviert.

Kein Fokus auf wissenschaftlichen Mehrwert
Eine gute Leitfrage sollte insofern immer einen Mehrwert bieten, neues Wissen generieren, alternative Sichtweisen eröffnen, Vergleichs- und Bewertungsmöglichkeiten schaffen und im Bestfall zu weiteren wissenschaftlichen Fragestellungen führen.

Man sollte immer daran denken: Fragen müssen beantwortbar sein – allein aus diesem Grund ist es bereits notwendig, auf eine spezifische Fragestellung mit klarem Rahmen zu achten, denn so kann man letztlich in der Einleitung eine klare Frage stellen, die im Fazit klar beantwortet werden kann – der Hauptteil stellt dabei den Weg von der Einleitung zum Fazit dar.

Keine Berücksichtigung der Rahmenbedingungen
Motivation ist grundsätzlich eine gesunde Triebfeder für produktives Arbeiten. Jedoch sollte man sich nicht nur der Chancen, sondern auch der formalen und individuellen Grenzen bewusst sein. So ist es enorm wichtig, bei der Auswahl einer geeigneten Leitfrage auf folgende Aspekte zu achten:

Die eigene Produktivität:
Hier sollte man sich einen Zeitplan erstellen und ehrlich zu sich selber sein – ist das, was man sich vornimmt, realistisch zu schaffen? Merke: Es ist besser, ein „kleineres Thema“ spezifisch und sinnvoll zu bearbeiten/beantworten, als ein „großes Thema“ nur anzureißen – manchmal ist weniger eben mehr und man tut gut daran, die Leitfrage, die man stellt, auch umfänglich zu beantworten – nur so legt man den Grundstein für eine positiv bewertete Thesis – egal, ob Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation.

Der formale Rahmen:
Ein unter Studierenden häufig gemachter Fehler ist, dass die Thesis nicht strukturiert wird, sondern man „direkt“ anfängt, zu schreiben. Jedoch ist es gerade in der Konzeptionsphase, die dem eigentlichen Schreiben vorausgehen sollte, wichtig, sich nicht nur Gedanken über die Gliederung, sondern auch den Wortumfang zu machen, den man den einzelnen Kapiteln zuweist. Dies ist ein sehr guter Indikator, um die Eignung der (provisorisch) gewählten Leitfrage zu bestimmen, denn so kann man sich fragen:

- Kann ich Thema XXX innerhalb von YYY Wörtern darstellen?
- Reichen mir XXX Wörter, um die Theorie von Autor Z abzubilden?
- […]

Hierbei ist wichtig, zu beachten: erst kommt die Struktur, dann der Inhalt. Das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit folgt insofern in gewisser Weise einem „Trichterprinzip“, bei dem am Anfang die Rahmenbedingungen gesichtet/gelegt werden und man sich dann – in der Gliederung und dem Hauptteil der Arbeit – immer spezifischer dem Kern der Sache widmet. Die eigentlichen „Textbausteine“ werden dann in die Gliederung und Argumentationsstruktur eingefügt – denn man sollte nicht den Fehler begehen, erst beim Schreiben zu entscheiden, was man eigentlich sagen möchte. Eine spezifische Leitfrage (siehe oben) kann eben genau dies verhindern.

Spezifische Fragen ohne Erläuterung:
Wissenschaftliche Arbeiten sind oftmals sehr fachspezifisch. So ist nicht nur darauf zu achten, eine saubere Gliederung aus der Leitfrage abzuleiten; man muss ebenso erklären, was die Leitfrage relevant macht – außerdem müssen in der Regel zugrunde liegende Theorien, Begriffe, Hintergründe, Aspekte und Definitionen dargestellt werden. So ermöglicht man dem Leser, auf den gleichen – oder zumindest einen vergleichbaren – Kenntnisstand zu kommen, um die Thesis nachvollziehen, einordnen und bewerten zu können. Im Umkehrschluss ist es auch die spezifische Beschäftigung mit diesen Grundlagen, die dem Autor hilft, eine geeignete Leitfrage zu entwickeln.

Fazit
Eine gute Leitfrage hilft dabei, die spezifischen Ziele einer Thesis abzubilden und schafft gleichermaßen die Grundlage für das Erreichen derselben. Zweitens folgt aus einer guten Leitfrage ein geeignetes Framework, um eine nachvollziehbare und logische Gliederung zu erstellen, die „den Weg“ von Einleitung zu Fazit darstellt. Eine Leitfrage sollte möglichst spezifisch und eng eingegrenzt sein, nicht zu viele Themen auf einmal abbilden, einen Mehrwert – sowie ggf. die Möglichkeit für Anschlussfragen – schaffen und sowohl die formalen Rahmenbedingungen (quantitativer Umfang) als auch die persönlichen Voraussetzungen (zur Verfügung stehende Zeit, Produktivität, Zeitplan) einkalkulieren. Wenn man dies berücksichtigt und sich für eine Leitfrage entscheidet, die im Rahmen des Gegebenen beantwortet werden kann, hat man eine optimale Grundlage, um eine gelungene wissenschaftliche Arbeit zu erstellen.