Quantitative und qualitative Methoden beim wissenschaftlichen Schreiben

Beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten wird oft schon während des Studiums Forschungsarbeit abverlangt. Spätestens bei der Diplomarbeit – in manchen Fachrichtungen wie Sozialwissenschaften oder Ökonomie schon bei den Seminararbeiten – stehen die Studenten vor der Entscheidung, welche Forschungsmethode sie einsetzen.

Die zahlreichen Forschungsmethoden lassen sich grundsätzlich als quantitativ oder qualitativ charakterisieren.

Bevor man eine Methode für seine wissenschaftliche Arbeit wählt, sollte man sich über Folgendes im Klaren sein:

-  Was sind die Merkmale der quantitativen und der qualitativen Verfahren? Worin bestehen die Unterschiede?
-  Nach welchen Kriterien sollte man sich für eine quantitative bzw. eine qualitative Herangehensweise entscheiden?

Was sind die Merkmale der quantitativen und der qualitativen Verfahren? Worin bestehen die Unterschiede?

Die wichtigsten Unterschiede zwischen den quantitativen und den qualitativen Methoden:

Die quantitativen Verfahren gehören zu den empirischen Forschungsmethoden. Es geht darum, messbare Daten, überprüfbare Fakten einzeln zu erheben und – statistisch – zu bearbeiten; sie werden gezählt, gemessen, gewogen, verglichen. Als Ergebnisse können Ja-Nein-, diese- oder jene-Antworten, oder vergleichbare, in Zahlen ausgedrückte Daten und Angaben stehen.

Die qualitativen Methoden gehören auch zu den empirischen Forschungsmethoden, suchen aber Antworten auf die Fragen Wie? und Warum? Es geht um Denkweisen, Auffassungen, Werte, individuelle Aspekte und Motivationen. Als Ergebnisse bekommt man subjektive Aussagen, eventuell neue Erkenntnisse.

Die wichtigsten Merkmale der quantitativen und er qualitativen Methoden:

Die quantitativen Methoden

Bei einer Forschung mit quantitativen Methoden geht es also darum, mit numerischen Daten zu arbeiten. Bei diesen Forschungsverfahren wird immer eine Hypothese vorangestellt, deren Wertgehalt, deren Wahrheit, zu prüfen ist. Die gesammelten Daten sollen der primären Prüfung dieser Hypothese dienen und eine Kausalerklärung ermöglichen.

Um die Realität in Form von Modellen, Zusammenhängen und in numerischen Daten zu erfassen, wird sie in kontrollierbare Wahrnehmungen, messbare Einheiten zerlegt, die als Beobachtungseinheiten definiert werden. Die Forschung wird unter „laborähnlichen Umständen“ durchgeführt: Aufgrund der Ergebnisse von – in einer entsprechend gewählten kleineren Gruppe der Gesellschaft durchgeführten – Untersuchungen können durch deduktives Vorgehen Beschlüsse gezogen werden. Sie können – nach einer statistischen Verallgemeinerung – repräsentativ für eine größere Gruppe gelten.

Die Messinstrumente der quantitativen Methoden sind standardisiert und objektiv.

In der ersten Phase einer quantitativen Forschung wird für die Hypothesenbildung „das Forschungsfeld“ beschrieben, erklärt. Im Optimalfall wird auch der Forschungsstand zum Thema beschrieben, bereits vorliegende Theorien und Modelle werden angegeben. Jetzt kann die Forschungshypothese formuliert werden, die im Forschungsprozess überprüft wird. Somit steht das Untersuchungsziel schon fest.

Als zweiter Schritt erfolgt die Festlegung des Untersuchungsablaufes: Das Forschungsdesign, die Erhebungstechniken müssen bestimmt werden, die der Materialsammlung dienen, und die mathematischen Aufbereitungstechniken, damit die gesammelten Materialien als Daten für weitere Analysezwecke eingesetzt werden können.

In der dritten Forschungsphase werden die gesammelten, statistisch – in deskriptiven oder schließenden Statistiken – aufbereiteten Materialien, Daten verarbeitet, bearbeitet, ausgewertet, verglichen, Zusammenhänge werden aufgezeigt. Sie werden im Kontext des Themas miteinander in Verbindung gebracht, interpretiert, um die Forschungsfrage beantworten, die Forschungshypothese bestätigen oder verneinen zu können.

Quantitative Forschungsmethoden

Experiment
Dieses Forschungsverfahren ist optimal für die Überprüfung einer Kausalhypothese. Dabei können sowohl die Fragestellungen als auch die Zielgruppen variieren. Die Probanden werden randomisiert auf eine Versuchsgruppe und eine Kontrollgruppe verteilt. Dadurch erreicht man eine relativ hohe Verlässlichkeit auch bei einem kleinen Stichprobenumfang. Für die beiden Gruppen können die Fragestellungen variieren, oder selbst die Gruppenauswahl stellt die beiden Variablen dar.

Umfrageforschung
Die vielleicht gängigste Methode der quantitativen Forschung ist die Fragebogenbefragung. Zu der Hypothese in der Themenstellung der Forschung werden Fragen und Antwortkategorien für einen Fragebogen formuliert („Operationalisierung“). Für die Durchführung bedarf es einer möglichst großen und repräsentativen Zufallsstichprobe (Testpersonen). Die Durchführung erfolgt überwiegend schriftlich (selten persönlich) und in letzter Zeit auch online. Das hat die Vorteile, dass man so leichter eine entsprechende und repräsentative Stichprobe bekommen kann und dafür auch verschiedene Tools zur Verfügung stehen, die dann auch die passenden Auswertungsmöglichkeiten „mitliefern“. Diese Forschungsmethodik ist standardisiert. Die exakt gleichen Voraussetzungen bei allen Befragten gewährleisten die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Sie besitzt auch eine hohe Objektivität, die Kosten und der Zeitaufwand bleiben gering.

Korrelationsstudien
Mit dieser Methode werden nicht einfach nur die statistischen Verhältnisse von zwei relevanten Variablen untersucht. Der Zusammenhang zwischen den Merkmalen wird untersucht, die Struktur der Beziehungen der beiden Variablen können so aufgedeckt und quantitativ-systematisch analysiert werden. Bei diesem Vorgehen können aber keine Ursache-Wirkung-Aussagen gemacht werden, es kann nicht zur Thesenüberprüfung herangezogen werden, dazu bedarf es immer einer weiteren Forschung.

Die qualitativen Methoden
Bei einer qualitativen Forschung geht es selbstredend nicht um die Erhebung numerischer Daten und ihre statistische Darstellung. Es geht um ein tieferes Verständnis der Themenstellung durch Erhebung von Meinungen, Verhalten, Denkweisen, Motivationen usw. Eine qualitative Forschung kann Antworten auf die Frage Warum? geben, Grundlagen für eine neue Hypothesenbildung, für eine weitere quantitative Forschung, liefern.

Da eine qualitative Forschung mit Meinungen, Denkweisen, also Lebensauffassungen, inneren Werten arbeitet, die persönlich sind und auch zeitlichen Trends unterliegen, sind die Ergebnisse eher subjektiv, durch Zahlen schwer darstellbar. Eine qualitative Forschung unterscheidet sich von einem anderen zwangsläufig, die da die Probanden anders sind. Aber eine später wiederholte Forschung mit denselben Probanden führt auch zu anderen Ergebnissen, denn mit der Zeit und unter anderen Umständen verändern sich auch die Auffassungen, Gefühle, Werte usw.

Vorteile der qualitativen Forschungsmethoden
1. Tiefe und Details
Da die qualitative Forschung nicht mit festen, vorgegebenen Strukturen arbeitet, die die Richtung und Tiefe der Fragen und Antworten vorgeben, kann sie viele, detaillierte Informationen erfassen, die vorhandenen Varietäten in der Realität besser wiedergeben.

2. Fokus auf dem Persönlichen
Die persönlich variierenden Gedanken, Einstellungen, Erfahrungen können nur in einer qualitativen Forschung erfasst werden, zum Beispiel in einem Tiefeninterview.

3. Offenheit und Flexibilität
Obwohl die Meinungen zu derselben Themenstellung gefragt werden, können sich die Antworten frei variieren, so kommen mehrere Sichtweisen zum Vorschein. Den aktuellen Antworten entsprechend können wir während der Forschung die Reihenfolge der Fragen verändern, unsere Schwerpunkte verlagern, wir können sogar neue Aspekte einführen und verfolgen, die sich aus einer Antwort ergeben.

4. Weniger Probanden
Besonders im Vergleich zu den Umfragen brauchen wir einen wesentlich kleineren Stichprobenumfang. Obwohl die Durchführung bei den qualitativen Verfahren langwieriger erscheint (Interviews, Beobachtungen usw.), kann die Organisation von ca. 100-200 Personen für eine Umfrage und die Aufbereitung und Auswertung der numerischen Daten ähnlich viel Zeit in Anspruch nehmen.

Datenaufbereitung in der qualitativen Forschung

Nachdem zu der Forschungsfrage der Forschungsstand beschrieben, das Forschungsziel definiert, die Fragestellung formuliert, die Form der qualitativen Datenerhebung festgelegt und die Forschung durchgeführt wurden, kommt es zu der Aufbereitung der qualitativ erfassten Informationen. 

Die Informationen müssen für die weitere Verarbeitung aufbereitet werden, zum Beispiel müssen die aufgezeichneten Interviews transkribiert werden.

Für die Analyse der Aussagen in den qualitativen Interviews müssen wir ein wissenschaftliches Auswertungsverfahren einsetzen, damit wir am Ende unserer Forschung zu einer zentralen Erkenntnis kommen können.

Ein gängiges Verfahren hierfür ist die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Sie verbindet qualitative wie quantitative Analyseschritte an den qualitativ erhobenen Informationen. Demnach nimmt man eine Kodierung vor, das heißt, im Text werden einzelne Aussagen (Wörter, Sätze, sogar ganze Passagen) mit sogenannten Codes versehen. Durch diese Codes können zentrale Aussagen ausgemacht, erfasst werden. Die Codes in einem Text werden zu Codings zusammengefasst, das heißt, es wird versucht, zu den einzelnen Codes Oberbegriffe zu finden. Wenn das an allen Texten zu allen Interviews durchgeführt wurde, kommt es zu einer Generalisierung. Die Codings aus allen Texten zeigen Querverbindungen zwischen den Texten auf. So kommt man am Ende zu dem wesentlichen Ergebnis der Forschung: Aufgrund der Codings können in ein paar kurzen, knappen Sätzen Kernaussagen zu dem untersuchten Sachverhalt gemacht werden.

Für die qualitative Inhaltsanalyse gibt es genauso Computerprogramme wie Tools für die Durchführung und Auswertung von quantitativen Forschungen.

Nach welchen Kriterien sollte man sich für eine quantitative bzw. eine qualitative Herangehensweise entscheiden?

Entscheidungskriterien für die eigene Vorgehensweise: quantitativ oder qualitativ

Die eigene Vorgehensweise sollte man dem zu untersuchenden Sachverhalt, dem Forschungsgegenstand, der gewählten Themenstellung angepasst auswählen: Brauche ich messbare Daten darüber, um eine Forschungshypothese zu überprüfen oder will ich das Phänomen möglichst komplex erfassen, zum Beispiel Gründe für Entscheidungen herausfinden, um eine neue Hypothese dazu aufzustellen? Aber auch die quantitative Forschung ist nicht nur für eine einfache Dokumentation bestimmter Sachverhalte geeignet. Dabei können nicht nur Zahlen erfasst und nach Regeln der Mathematik zu Statistiken zusammengestellt werden. Gut erhobene empirische Daten können auch Erklärungen für Sachverhalte liefern. Und die quantitativ aufbereiteten Daten können auch bei einem Forschungsthema, wo es um subjektive Aussagen, Meinungen geht, über die Schwerpunkte, Hintergründe, Ursachen Auskunft geben.

Die beiden Methodengruppen können in einer wissenschaftlichen Arbeit einander ergänzend kombiniert werden.

Bei der Entscheidung für eine bestimmte Forschungsmethode sollte auch der aktuelle Forschungsstand zum Thema berücksichtigt werden. Keine Forschung anstellen, um eine hundertste Statistik zum Thema zu erstellen, wo schon ausführliche Analysen zu allen Aspekten des Themas vorliegen!

Die beiden Methodengruppen unterscheiden sich im Zeit- und Arbeitsaufwand nicht wesentlich.